Ich sperr dich in dein Zimmer und...


Bildquelle: Barbara Wedl

… dreh’s Licht ab.

 

Bei diesen Worten breitet sich Panik in Ihnen aus? Vermutlich ging es auch dem kleinen Mädchen so, das sich diese Worte vom Vater anhören musste. Noch dazu war dies in einer Situation, die ihr die Luft zum Atmen nahm ... Wir standen bei dieser Szene am Beckenrand, während die anderen Kindern schon im blauen Wasser herumspritzten. Die 6-Jährige stand da und brachte vor lauter weinen kein einziges Wort über die Lippen. Der Vater nahm sie nicht in den Arm und fragte stattdessen nur, warum sie denn den Schwimmkurs so vehement verweigere. Er stand daneben und drohte ihr mit all den Dingen, dir wir im Erwachsenenalter nicht hören wollen und als Kinder schon gar nicht:

 Das ist deine letzte Chance.

  • Wenn du das nicht machst, gibt‘s auch kein Reiten mehr.
  • Ich lass‘ dich hier und fahr‘ ohne dich heim.
  • Du machst jetzt, was ich dir sage.

 Wie geht‘s Ihnen, wenn Sie solche Sätze hören? Mein Herz vibriert vor lauter Mitgefühl mit der kleinen Hanna. Sie wuzzelte ihre Finger hin und her und stand im Badeanzug zusammengeduckt, allein gelassen von der Person, die ihr eigentlich Schutz und Sicherheit geben sollte.

 

Der Vater legte sich einstweilen auf die Liege. Sie ging hin, weil sie seine Nähe brauchte, starke Arme, in die sie sich legen dürfte, um Sicherheit zu spüren. Doch er drehte sich weg und meinte: „Du brauchst gar nicht zu kommen!!“

 

NEIN, rief alles in mir. Was ist mit uns Erwachsenen bloß los?

 

Wir sind größer und stärker als Kinder, damit wir sie BESCHÜTZEN können und nicht um sie zu bedrohen, zu missachten, zu zwingen. Das passiert aber, immer wieder. Ich erlebe es beim Einkaufen, beim Schwimmen, beim Schi fahren. Überforderte Eltern, die ihre Machtposition ausleben und ihre Kinder im Stich lassen.

 

Ich weiß, wie schwierig es manchmal ist, Kinder jenes zu vermitteln, das wir „Alten“ als wichtig erachten. Aber dürfen wir deswegen ihre Hilflosigkeit ausnützen? Was hat das Kind für eine Chance, wenn wir drohen, es ins Zimmer zu sperren, wenn es nicht tut, was wir wollen?

 

Schreien, schimpfen und einsperren sind immer noch ein großes Tabuthema. Es wird Zeit, dass wir darüber sprechen. Es gibt nicht nur körperliche, sondern auch psychische Misshandlung:

 

Psychische Gewalt ist ...

 

  • wenn Kindern mutwillig Angst gemacht wird.
  • wenn Kinder eingeschüchtert, ausgegrenzt, isoliert werden.
  • wenn Kinder verspottet werden oder der Verspottung Preis gegeben werden.
  • wenn Kinder missachtet und entwertet werden.
  • wenn Kinder klein gemacht, klein gehalten und abgewertet werden.
  • wenn Kinder gezielt entmutigt werden.
  • wenn Kinder mit Druck und Unterdrückung erzogen werden.
  • wenn Eltern ihren Kindern Orientierung verweigern und sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern entziehen.
  • wenn Strafe zu einem Zeitpunkt vollzogen wird, wo das Kind gar nicht mehr weiß, was es getan hat und die Strafe nicht als Konsequenz seiner Handlungen erkennen kann.

Quelle: http://www.gewaltinfo.at/fachwissen/formen/psychisch/psychische_gewalt_kind.php)

 

 Das sind nur einige der vielen Punkte, die zur psychischen Gewalt zählen und wir nicht verharmlosen dürfen. Man sieht zwar keine blauen Flecken, doch die Folgen sind nicht geringer.

 

Mein Plädoyer an Mütter und Väter:

 

Wenn ihr euch überfordert fühlt: Holt euch professionelle Hilfe! Das ist keine Schande. Auch ich habe mir damals Hilfe gesucht. Nach einer Bandscheibenoperation und einen damit verbundenem längerem Krankenhausaufenthalt, habe ich vollkommen die Beziehung zu meinem jüngeren Kind verloren. Ich war hilflos und fühlte mich ausgeliefert. Durch die Inanspruchnahme einer Beratungsstelle habe ich es geschafft, wieder zurück zu einem fairen, ausgeglichenen Familiensystem zu finden.

 

Man muss nicht „krank“ sein, um Beratung in Anspruch nehmen zu dürfen.

 

Umarmt eure Kinder. Liebt sie. Schenkt ihnen Aufmerksamkeit. Und wenn ihr einmal schreit oder schimpft, dann entschuldigt euch.

 

Ich bin sicher keine „Heilige“ und bei mir läuft‘s auch nicht immer rund. Manchmal hat der Stress und die innere Anspannung die Oberhand, vorallem vor schwierigen Uni Prüfungen. Und dann passiert‘s auch mir, dass ich schreie… UND ich entschuldige mich dann für mein Verhalten. Icherkläre den Kindern, was mit mir los war. Ich respektiere ihr Recht auf die Wahrheit und Antworten.

 

 Mein Sohn brachte es dann auf den Punkt:

 

„Meine Ohren wollen nur was Liebes hören!“

 

Alles Liebe

 

Petra Scherzer