Das spaltet die (Ge-) Mütter...


Bildquelle: Fotalia

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob man Kindern schon ein Handy geben darf? Und damit meine ich jetzt nicht als Eigenbesitz, sondern es geht „lediglich“ um den damit verbundenen Konsum. Miteingeschlossen natürlich Tablets und der gute alte Fernseher…

 

ICH frage mich das oft und mit mir hunderte andere Mütter & Väter, die für ihre Kinder nur das Beste wollen. Und genau diese Frage spaltet auch das (Eltern-) Land, ähnlich wie die Bundespräsidentenwahl. Es gibt nur grün oder blau. Nichts dazwischen, keine Schattierung und kein Weichgezeichnetes.

 

Die eine Fraktion der Mütter sieht das Handy als nützliche Erziehungshilfe - funktioniert das Zähne putzen nicht, wird kurzerhand das Telefon zur Hilfe genommen und mit lustigen Filmchen das Kind geistig weggebeamt, sodass es anstandslos den Mund offen hält. Munter geht es dann weiter, will Mann oder Frau in Ruhe kochen - kommt das Kind vor dem Fernseher und wir dort effektiv beflimmert, Messer sind schließlich NUR gefährlich. Wartet man beim Arzt - gibt es die Zeichen App, beim Autofahren den Disney Film und während der Putzlappen durch’s Haus wischt, die neuesten Sprach Lern Tools. Schließlich muss man zeitgerecht mit der Förderung der Kleinsten beginnen. Mama führt ein wichtiges Telefonat - Mist, wo lag nochmal das Tablet? Sie merken worauf das hinaus läuft?

 

Richtig: das Kind wird ruhig gestellt, wann immer und wie immer es die Eltern / Mütter / Großeltern brauchen. Das Kind funktioniert nicht so, wie der Erwachsene sich das vorstellt, dann muss die unendliche Weite der bunten Bilder das Kind gefügig machen, beruhigen, beschäftigen, belehren und trösten. Damit die Leitfiguren in Ruhe, shoppen, kochen, putzen können.

 

Und dann gibt es da die zweite Fraktion dieser Handy Spalt Sache, solche Mütter wie mich. Die ihren Kinder jeglichen Fernseher entsagen, das Handy vorenthalten und das Tablet nie vorgestellt haben. Und ja, ich bin altmodisch, unmodern und hinterwäldlerisch, wenn ich dadurch meine Kinder schützen kann, dann werde ich gerne so genannt. Ich habe einmal gelesen, dass Handyspiele die gleichen Hirnareale wie Drogen stimulieren – das Belohnungszentrum. Kein Ahnung ob das stimmt, ich finde auch keine aktuelle Studie dazu, Fakt ist aber, dass wir es noch nicht mit Sicherheit sagen können, welche Auswirkungen es haben wird!! Wir gehen sorglos mit einer Materie um, die es erst seit ein paar Jährchen in unserem Leben gibt und halten sie unseren Kindern vor die Nase, als wäre es die Überlebensgrundlage. Und darüber sollten wir reden, nachdenken, diskutieren.

 

Mein Lieblingssatz: „Als Eltern ist es nicht immer einfach!“, das spüren wir alle. Das quengeln wenn sie müde sind, die ewigen Diskussionen beim Zähne putzen, das Verweigern der von uns als notwendig erachteten Kleidung, die Patzerei wenn sie mitkochen dürfen, das viel zu laute Gesinge und Gequatsche, wenn sie im Auto hinten sitzen, die Fantasie Spiele, die ein strukturiertes Kinderzimmer in ein Schlachtfeld verwandeln, das Plasteline, dass den Teppich verklebt und die Fingermalfarben an der Wand. Doch genau DAS schulden wir ihnen. All unsere Nerven und Geduld, damit sie unbeeinflusst aufwachsen können.

 

Der Satz „Mir ist sooo langweilig“ ist keine Aufforderung an uns Eltern sie zu bespaßen, sondern die Chance das eigene Potential an Kreativität herauszukitzeln. Woher sollen Kinder wissen, was sie gerne machen, wenn man ihnen keine Zeit gibt es selbst herauszufinden?

 

Ich sehe ein, dass die Technik nicht mehr wegzudenken ist. Auch ich benutze meinen Laptop, das Smarthphone, Facebook & Co, doch ich bin Erwachsen und so wie ich die Dosis und die Häufigkeit von Alkohol selbst regulieren kann, tue ich es auch mit diesen Geräten. Kinder können das noch nicht. Vielleicht sollte es ähnliche Maßstäbe wie beim Alkohol geben, den gibt’s auch erst ab 18 Jahren…

 

Und ja, erwischt, Sie haben Recht, ganz zu streng bin ich natürlich nicht. Meine Kinder schauen auch fern, bei der Oma. Sie sehen auch auf’s Handy, Fotos & Videos von sich selbst und wenn sie krank sind, gibt’s auch mal Comics & Co. Mit Maß und Ziel, kontrolliert und nicht als Belohnung, sondern als etwas das zu unserem Alltag gehört, man benutzen kann aber nicht muss. Das will ich meinen Kindern beibringen.

 

Das mag im ersten Augenblick alles gleich aussehen, doch es gibt einen markanten Unterschied:

 

Mein Handy ist keine Erziehungshilfe, Beruhiger, Bespaßer  & Babysitter sondern nur ein Gegenstand.

 

Herzliche Grüße

 

Petra Scherzer

 

„Die größte Fähigkeit der Menschen ist,

einander glücklich zu machen."

(Irmgard Erath)