"Meine Familie mag mich nicht!"


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Wenn Sie auf diesen Artikel geklickt haben, dann ist Ihnen das Gefühl „einfach nicht dazu zu passen“ wahrscheinlich sehr vertraut. Sie ecken ständig an, streiten oder haben bereits gänzlichen den Kontakt zur Herkunftsfamilie abgebrochen. Der Terminus „Herkunftsfamilie“ bezeichnet im Systemischen jene Familienmitglieder, mit denen wir aufgewachsen sind bzw. von denen wir großgezogen worden sind.

 

Das Ausmaß der Streitereien mag unterschiedlich sein und von der passiven Aggressivität, die man zwar spürt, aber nicht hört, bis zum laute Vorwürfe herausschreien reichen. Doch das Grundgefühl, das beim Betroffenen bleibt, ist stets das gleiche:

 

„Ich bin nicht ok, so wie ich bin!“

 

Die Ausgegrenzten lassen sich in drei Kategorien einteilen:

 

  • Jene, die starke Alpha-Attribute in sich tragen: Durch die präsente Ausstrahlung fühlen sich die anderen Familienmitglieder überfordert und unterdrückt. Alpha-Tierchen gehen ihren eigenen Weg und das ist ganz bestimmt ein komplett neuer im Familiensystem. Sie trampeln keinen alten Pfaden nach und zeigen veraltete Verhalten auf. Für die anderen „Herdenmitglieder“ ist das kein angenehmer Prozess. Veränderung geht nämlich immer mit Angst einher. Dieses große Spannungsfeld wird sich mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit früher oder später entladen.
  • Extrem außergewöhnliche Menschen: Damit sind jene gemeint, die polarisieren und die man entweder liebt oder hasst. Viele Künstler leben dieses Phänomen. Das Herausstechen aus der Masse birgt die Gefahr,  im Scheinwerferlicht Angriffsfläche zu bieten.
  • Und manche Menschen sind wirklich ein A******* mit stark narzisstischen Zügen: Wenn Sie zu dieser Kategorie gehören, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diesen Blog lesen, sehr gering, denn die „Anderen“ sind Ihnen einfach egal.

 

Die elementare Frage ist nun, wie man am besten damit umgeht. Hilfreich ist dabei, einen Blick in die vorherrschenden Familienstrukturen zu werfen und zu erkennen, was dort abläuft. Denn unausgesprochene Regeln gibt es in jeder Familie. Am leichtesten sind diese daran zu erkennen, wenn sie mit den Sätzen „Das tut man eben“ oder „Das war schon immer so“ gerechtfertigt werden. Hiermit werden die im Familienverband geltenden Grenzen aufgezeigt. Bewegt man sich nicht in denen, kommt es zu Konflikten, Ausgrenzung, Anfeindungen, bis hin zu im schlimmsten Fall Ermordungen.

„Du tust nicht, was ich will. Du benimmst dich nicht, wie es sich gehört. Also musst du den Preis dafür bezahlen und bist nicht länger ein Teil dieser Familie!“

 

 Nun gibt es eine sehr effektive Technik, wenn man sich gerade im Auge des Wirbelsturmes befindet und mitten in einer Familienkrise steckt. Ganz einfach und doch so schwer: „ziehen lassen“. Das geht so: immer wieder, wenn unser Gehirn versucht, den Konflikt wieder und wieder abzuspielen und durchzukauen, würdigt man den Gedanken, bedankt sich und geht dann wieder der gerade stattfindenden Tätigkeit (bügeln, kochen, arbeiten etc.) nach. Der Fokus wird sanft wieder ins Hier und Jetzt geleitet. Dadurch wird dem Streit die Energie entzogen und er kann emotional abgeschwächt werden.

 

Auf lange Sicht gesehen, tun sich Betroffene einen Gefallen damit, genügend räumlichen und emotionalen Abstand zwischen allen Beteiligten zu schaffen. Denn wenn die Familienregeln zu starr sind, geht jene Freiheit verloren, die eine persönliche Entwicklung begünstigt. Man ist dann in alten Mustern gefangen und gibt einen Teil seiner Kreativität auf.

 

Die Schönheit der Welt liegt in ihrer Vielfalt.

 

Diese Vielfalt findet man nicht immer im System, in dem man geboren wurde und so steht es einem jeden frei, sich im Erwachsenenalter eine neue Familie zu suchen. Die biologischen Verwandten, Eltern, Geschwister, Tanten, Onkel etc., haben ihr Bestes gegeben. Wenn man dankbar auf das Erhaltene blickt, kann man es loslassen und mit beiden Armen eine Seelenfamilie suchen – also jene Gleichgesinnten, bei denen man sich wohl und angenommen fühlt. Denn wer kennt es nicht, das Märchen vom hässlichen Entlein? Clarissa Pinkola Estés schreibt in Ihrem Buch „Wolfsfrau“ eindrucksvoll, welch tiefe Botschaft dahinter versteckt liegt.

 

Also, machen Sie sich auf und suchen Sie die anderen Schwäne! Sie werden staunen, wie viele Schwäne es gibt!