„Ich schrei mir die Seele aus dem Leib!“


Bildquellen. Petra Scherzer

Wenn ich heute zurückblicke, kommt mir genau dieser Satz in den Sinn. Stundenlang bin ich mit meinem kleinen Baby im Kinderwagen auf- und abgegangen, während uns mein „Großer“ vom Fenster aus beobachtet hat. Es hat mir stets die Schweißperlen auf die Stirn getrieben und ich habe alles versucht mit meinem kleinen Schreihals: aufsetzen, hinlegen, zudecken, abdecken. Doch mein Baby hat einfach nicht mit dem Schreien aufgehört. Ich bin mir nicht sicher, ob er immer schon so war oder ihn erst die besonderen Bedingungen in diesen Zustand hingeführt haben. Denn als er neun Monate war, musste ich ihn radikal abstillen und lag danach für einen ganzen Monat im Krankenhaus. Diagnose: schwerer Bandscheibenvorfall. Wie ich diese Zeit ohne Kinder überstanden habe, erzähle ich euch gerne zu einem anderen Zeitpunkt…

 

Nach der Operation und der Heimkehr zu meinen Kindern, dufte ich noch drei ganze Monate absolut nichts heben. Nicht einmal eine Mineralflasche und schon gar nicht eines meiner beiden Kinder. Dadurch ging sehr viel Körperkontakt und Nähe verloren. Vielleicht war das der Auslöser von den niemals endenden wollenden Schreianfällen.

 

Ich habe unzählige Sachen probiert. Während der Zeit, in der ich mich meist zwischen Verzweiflung und Überforderung bewegte fand ich doch ein paar kleine Tricks, die Erleichterung brachten:

 

  • Einschlafen im Kinderwagen auf holprigen Wegen.

 Der Asphalt war ihm zu langweilig, er brauchte ein wenig Bewegung und die erzeugte ich durch den Spaziergang auf einem Wiesenweg. Natürlich sollte dies kein übertriebenes Schütteln oder Rütteln sein, sondern eher die sanften rhytmischen Bewegungen im Bauch der Mutter simulieren.

 

  • Ein Hängekorb/Hängesessel.

Wir hatten beides. Der Korb ging die ersten sechs Monate gut, danach war die Gefahr, dass er durchs sich drehen herausfällt und Verletzungen davonträgt, einfach zu groß. Wir wechselten deshalb dann auf einen Hängesessel.

 

 

  • Der Massage-Willi.

 Hier kommt es wirklich auf die Empfindungen vom Baby an. Ein achtsamer Umgang damit kann Erleichterung bringen. Doch bitte nicht zuviel des Guten, denn durch eine erneute Überforderung kann es genau das Gegenteil bewirken.

Zu kaufen gibt's den hier!

 

  • Entlastung der Mutter.

 Für mich der wichtigste Punkt: Sobald man sich eingesteht, es nicht alleine schaffen zu MÜSSEN, tritt eine gewisse Entspannung in die Situation ein. Für mich kam damals nur die Familienhilfe der Caritas in Frage. Eine hochqualifizierte, fachlich sehr kompetente Betreuungsperson übernahm alles, was ich zu der Zeit nicht schaffte. Sobald sich die Mutter entspannt, kann sich auch das Baby mehr entspannen und das führt hoffentlich dann dazu, dass die Schreianfälle kürzer und weniger häufig werden.

        

  • Grundhaltung: Ich bin ok, mein Baby ist ok. Ich mache alles richtig.

 Ein schlechtes Gewissen hilft niemanden und spannt den Bogen der Aggression noch weiter. Man macht als Mama nichts „falsch“, weil man ein Schreibaby hat, sondern die Situation ist eine Herausforderung und hat ganz bestimmt ein ENDE. Nur darauf gilt es sich zu fokussieren – „Es ist eine Phase und die geht vorbei!“ (Ich habe diesen Satz gehasst, doch er ist so wahr.)

 

  • Regelmäßiger Besuch bei einer Osteopathin.

 Es gibt Osteopathen und Physiotherapeuten, die sich auf kleine Zwerge spezialisiert haben. Durch gezielte Griffe und ausreichend Fachkenntnis können Blockaden gelöst werden. Diese können z.B. durch eine sehr einschneidende Geburt entstanden sein.

 

  •  Wenig zusätzliche Reize z.B. Fernseher läuft permanent, Musik ist zu laut.

 Bei Schreibabys geht man davon aus, dass sie an einer Regulationsstörung leiden. Durch zusätzliche ungewohnte permanente Reizung von außen kann es sein, dass das Baby durch noch mehr Schreien reagiert.

 

  •  Routine bei den Tagesabläufen.

 Für meinen Sohn ist es heute noch extrem wichtig, dass alles einer gewissen Struktur folgt. Das gibt ihm Sicherheit und das Vertrauen, dass alles gut ist. Auch im Babyalter kann man mit Ritualen und fixen Abläufen beginnen. Immer wiederkehrende Handlungen schaffen eine Stabilität, so ähnlich wie für uns z.B. die Jahreszeiten.

 

  • Grundbedürfnisse abdecken (Hunger, saubere Windel etc.)

 Ich gehe nicht davon aus, dass Mütter solche Sachen vernachlässigen. Ich wollt’s nur mal eben erwähnt haben. : )

 

 

Vermutlich käme auch ein Tragetuch als „Erleichterungspunkt“ dazu, das durfte ich aufgrund meiner Erkrankung jedoch nicht verwenden.

 

Sollte keine dieser Methoden helfen, so gibt es immer noch die Möglichkeit, eine Schreiambulanz aufzusuchen. Diese werden meist in den größeren Städten angeboten.

Zum Beispiel in Salzburg:

 

http://www.salk.at/4261.html

 

 

Bitte liebe Mama, wenn du ein Schreikind hast, und total überfordert bist, hol dir Hilfe!

 

Es sterben immer noch 100 – 200 Baby jährlich, weil sie durch Schütteln so starke Verletzungen davontragen.

 

 

Ich schicke dir ganz viel Energie!

 

 Herzliche Grüße

 Petra Scherzer