Ich gestehe...


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…die folgenden Worte sind nicht mal eben so schnell getippt, sondern entspringen der Tiefe meines Herzens.

 

Vor 15 Jahren absolvierte ich mein erstes Kommunikationsseminar. Seitdem habe ich viel erreicht. Ich weiß wie NLP funktioniert, wende es an und verstehe auch, wie man Drama frei lebt. Ich berate, coache und begleite andere Menschen und bilde mich selbst stetig weiter. Und doch gibt es diesen schwarzen Fleck. Jenen Fleck, den man zu verheimlichen versucht, weil es unprofessionell ist. Öffentlich dazu zu stehen könnte die Konsequenz haben, dass Klienten/Klientinnen nicht mehr zu mir kommen. Und doch wage ich den Schritt, um zu zeigen, dass niemand perfekt ist: Ja, auch ich gehöre zu jenen Müttern, die ihre Kinder manchmal anschreien. Es sind jene Situationen, in denen ich einfach keine Zeit habe, weil ich schon in die Arbeit muss. Jener Zeitpunkt, wo ich keine Nerven habe, weil am nächsten Tag eine schwere Prüfung ansteht. Oder wenn ich keine Geduld habe, weil ich schon dreimal gesagt habe: „Bitte geht Zähne putzen“ In diesen Situationen verliere ich die Selbstbeherrschung und dann passiert es mir manchmal: Ich sehe meine Kinder nicht mehr als meine kleinen Wunder, sondern nur deren starken Willen, den es zu brechen gilt. Absurd…

 

Bisher konnte ich das ziemlich gut vor mir selbst rechtfertigen: „Ich muss ab und zu schreien, ich bin halt einfach so. Wenn ich es nicht rauslasse, krieg ich Magengeschwüre! Auch ich bin keine perfekte Mama, auch ich darf mal explodieren.“

 

Doch irgendwie funktioniert das mit dem Schönreden nicht mehr. Ich weiß tief in meinem Herzen, dass jedes Mal, wenn ich schreie, ein Stück an Beziehung und Vertrauen verloren geht. Schön langsam versteht auch mein Kopf, was Sache ist:             

Schreien ist Gewalt! Das konnte ich bisher gut vor mir selbst verstecken. Doch nun blickt mich die Wahrheit an und erzeugt einen solchen Leidensdruck in mir, dass ich bereit bin, es zu ändern. Ja, es ist an der Zeit etwas zu ändern.

 

Nur wie, fragte ich mich… Nach einigen Recherchen landete ich wieder bei dem mir bereits bekannten: Marshall Rosenberg und seiner gewaltfreien Kommunikation. Wer ihn noch nicht kennt, auf Youtube gibt es viele Videos, die den Kern seiner Weisheit wunderbar auf den Punkt bringen.

 

„Hinter jeder Handlung steckt ein Bedürfnis.“

 

Würde ich es mir gefallen lassen, wenn mich meine Chefin oder mein Lebenspartner anschreit? Nur weil ich nicht tue, was sie/er mir sagt? – Nein, würde ich sicher nicht.

 

Und meine Kinder sollen es erdulden, während ich einen kurzen Ausbruch habe? Es ist wie mit der körperlichen Gewalt. Kinder ertragen das alles, weil sie keine Wahl haben. Sie sind uns schutzlos ausgeliefert und können sich nicht gegen uns Erwachsene stellen, weil sie sonst vielleicht nicht überleben könnten. Also folgen und gehorchen sie, wann immer es geht und versuchen immer das ihnen bestmögliche. Einfach nur, damit sie dazu gehören dürfen, zur Familie.

 

Ich habe einmal den wunderbaren Satz gelesen: „Wir brauchen nicht noch mehr Menschen die folgen, sondern welche, die Befehle hinterfragen!“

 

Und ab heute begebe ich mich auf den Weg der Besserung. Ich möchte jene seltenen Momente, in denen ich eine Mama bin, wie ich sie nicht sein möchte, noch besser reflektieren und meine wunden Punkte erarbeiten.

 

Ich halte euch am Laufenden

 

Herzlichst eure

 

 

Petra